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Sodom und Gomorra

Liebe Leser,

wir alle haben sicherlich Orte, die wir redensartlich als Sodom und Gomorra bezeichnen würden. Für mich ist Facebook inzwischen zu solch einem Ort verkommen, weswegen ich nun lange Zeit mit mir gehadert habe, ob ich dort ernsthaft weiter verweilen oder diesem Schandfleck in den Weiten des Internets lieber des eigenen Seelenfriedens wegen den Rücken kehren sollte.

Natürlich bin ich bei meinen Überlegungen gedanklich zunächst ganz egoistische Punkte durchgegangen, welche Vor- und Nachteile besagter Ort für mich bringt. Um es kurz zu machen: Für mich persönlich bringt Facebook keinerlei Vorteile (mehr) mit sich – weder beruflich noch privat. Und zusätzlich lässt es sich ohne diese Plattform bedeutend entspannter und letztlich somit glücklicher leben. Warum sollte ich mir den dortigen Wahnsinn also weiterhin reinziehen? Ich empfinde das Miteinander auf Facebook als unehrlich und vergiftend bis ins Mark und daher als unerträglich. Es macht dabei auch keinen Unterschied, aus „welcher Ecke“ der einzelne kommt – die kollektive Unzufriedenheit entlädt sich, so wirkt es, in hässlichen aus Neid, Missgunst, Heuchelei und nicht selten gar aus Hinterlist entstellten Fratzen purer geistiger Armut. Mir ist bewusst, dass auch ich von manchen als solche wahrgenommen werden könnte.

Wir sind als Gesellschaft in meinen Augen derart erkrankt, dass wir gar nicht mehr sehen, wie gleich und verletzlich wir doch alle sind und dass sich jeder einzelne gleichermaßen nach Aufmerksamkeit, Bestätigung und Gemeinschaft sehnt. Warum dieser permanente Vergleich untereinander, anstatt jeden so anzunehmen und zu schätzen (!), wie er ist? Vor lauter Status- und Haltungs-Manie weiß zwar jeder, mit wem der andere gerne ins Bett geht, wie erfolgreich er im Beruf ist, ob er für das Klima hüpft und gegen Putin friert und ob der Impfpass vollständig ist; wer der einzelne aber wirklich ist, verliert sich in dem ganzen Geschrei verkümmerter Seelen vollends.

Soziale Medien? Bin ich zu asozial für

Ich habe Facebook lange Zeit sehr gerne genutzt. Vor allem den Austausch untereinander, ob mit Gleichgesinnten oder auch Andersdenkenden, empfand ich sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht stets bereichernd, selbst – oder gerade – Konversationen jenseits eines gepflegten Miteinanders. Im Leben lernt man ja nicht selten aus Abgründen am meisten und nachhaltig.

Vor dem Hintergrund ist diese Plattform sogar jetzt, wo ich sie verlasse, als äußerst fruchtbar zu betrachten. Allein aufgrund wichtiger Erkenntnisse, die man dort für sein und auch das Leben gewinnen kann. Sei es i.S. Oberflächlichkeit, Selbstdarstellertum, Verlogenheit oder einfach nur fast schon bemitleidenswerter „Auftritte“. Es liegt jedoch nicht an den anderen, sondern an mir. Entgegen so mancher Spekulation lasse ich mich auch nicht von Facebook selbst oder mir völlig fremden, herumpolternden Pseudo-Gestalten vertreiben. Ich bin ja nicht auf den Mund gefallen und nach wie vor die Alte. Lediglich mit einem Bedürfnis nach Ruhe und dem Wunsch nach echter, also richtiger Freiheit. Die liegt für mich mitunter darin, Entscheidungen auch mal bewusst egoistisch treffen zu können. Aber auch darin, mich nicht von Trends abhängig zu machen oder dem zu folgen, was man eben so macht. Nö. Das war mir schon immer zu doof, wenn damit die zwangsläufige Konsequenz einherging, sich in irgendeiner Art und Weise abhängig zu machen. Diese „Bedingung“ verstehe ich bis heute nicht und ich muss frei im Denken und bei mir selbst bleiben. Leider ist mir das auf Facebook immer weniger möglich – oder sagen wir so: Das ganze Gequatsche ist mir zuviel, zu verwirrend, zu abstoßend, zu unerträglich – zu einengend. Ich sitze da mit bald schmerzhaft zusammengezogenen Augenbrauen und selbst mein geliebter Zynismus bleibt mir inzwischen gar bei Katzenbildern im Halse stecken. Das mag was heißen.

Diejenigen, die meinen obercoolen Schutzschild zeitweise überblicken konnten, sollen natürlich an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Ich habe wirklich viele liebe, herzliche, ehrliche, lustige, interessante und tolle Menschen auf Facebook kennenlernen dürfen, darunter auch Freundschaften geschlossen, die ich nicht mehr missen möchte! Allein dieser wertvollen Weggefährten wegen habe ich mir diese Entscheidung auch keineswegs leicht gemacht. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass Egoismus in diesem Punkt nachrangig war. Zumal ich in einigen Fällen weiß, in anderen wiederum spüre, dass man sich aus dieser digitalen Gemeinschaft Kraft zieht und sie daher braucht. Wie asozial ist es da, sich vom Acker zu machen!? Tatsächlich aber mache ich mich ja gar nicht davon. Ich bin sogar noch mehr da als zuvor – ganz bei mir, frei von (für mich aktuell) überflüssigen Einflüssen. Direkter, persönlicher, ehrlicher.

Wie viele Facebook-Freunde bleiben denn wirklich übrig?

Links (oder mobil weiter untenstehend) kann man bei Bedarf mit mir in Kontakt treten, rechts (mobil ebenfalls weiter scrollen) bei Interesse meinen Neuigkeiten folgen. Von Aufhören war schließlich nie die Rede!

Ich bin mir sicher, dass, wenn man nur möchte, den Kontakt zueinander auch nicht verliert. Und wieviel Mehrwert hat er doch abseits von Profilbannern, überschminkten Gesichtern, sexuellen Vorlieben oder anderer unwichtiger Nebensächlichkeiten, die den Blick auf das Wesentliche, nämlich das Herz eines jeden, trüben.

Ich für meinen Teil schreite nun entschlossenen Schrittes gen Freiheit und freue mich weiterhin über jeden, mit dem ich auch privat bereits in Kontakt stehe, ebenso wie über jeden, der mich auch künftig gerne weiter begleiten mag sowie über jeden, der neu hinzukommt!

Ich wünsche jedem von Ihnen von Herzen viel Liebe, Freude, Gesundheit und Glück – ganz gleich, ob sich unsere Wege hier trennen oder nicht.

Herzlichst,

Ihre Dana

(Bildnachweis: Dana Jungbluth)